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Kammermusik für Streichinstrumente – Duo extatico, Jóriki und Makyó, Das fünfte Streichquartett  

Freya Ritts-Kirby (Vl), Hellmuth Vivell (Klavier), Martin Weiffenbach (Vc), Kairos-Quartett, Pro-Viva 2000, ISPV 188 CD

„Dies ist Musik, die elektrisiert. Eine Musik auf der Suche nach der eigenen Quelle. Sphärisch, aber keineswegs außerirdisch, sondern immer nah am real existierenden Instrument. Die Erkundung neuer Spieltechniken ist nichts Neues bei dieser Komponistin. Auch ihre Freude an der Dissonanz – doch was ist hier dissonant zu nennen, was nicht? Die slowakische „Nordhessin“ Viera Janárčeková öffnet eine Tür zu wirklich Neuer Musik – auf konventionellen Instrumenten mit unkonventionellen Methoden. Auf modisches Verstärken und bloß „Geräuschemachen“ verzichtet sie dabei. Janárčekovás Musik ist kraftvoll, ohne je ins Plumpe abzugleiten, sie ist hoch originell, ohne vordergründig verrückt zu sein. Technisch avanciert, ist die Komponistin in die Anwendung neu entwickelter Techniken doch nicht so verliebt., dass ihre Formkraft darunter leidet.

Im Augenblick der Sprachlosigkeit verhilft oft der blumige Vergleich zu den interessierten Leserinnen. Doch wie sie wirklich treffend zu beschreiben wären, die unterschiedlichen und teilweise simultan vermittelten Gefühle und Sounds, das entzieht sich bei diesen Stücken gängiger Rhetorik. Denn es besteht keinerlei Zweifel daran: Diese Komponistin ist eine vollkommen unabhängige Gestalt. Sie steht der unnachgiebigen „Szene-Orthodoxie“ der zeitgenössischer Musik ebenso fern wie überhaupt irgendeiner parteilich verortbaren Position.

Viera Janárčeková schöpft aus dem Vollen. Und startet mit dem explosiv aufgeladenen Duo extatico für Violine und Klavier. Welch eine Palette von Möglichkeiten zeigt sie auf für diese von der Romantik (auch unserer Tage) bis zur Langeweile durchexerzierte Paarung! Mehr als ein Abbild ist ihr Duo ein dramatischer Kommentar zu unversöhnlichen Gegensätzen: Heftigkeit versus Mäßigung, destruktive Impulse versus unberührter Klanglandschaften, enggesetztes Ausbuchstabieren von Tonräumen versus klarer Linie. Es ist nicht eben leicht, in diesem über zwanzigminütigen Stück den Faden zu behalten. Doch kaum glaubt man ihn endgültig verloren, scheint er unerwartet wieder auf. Ein Erlebnis, das weniger sicheren Interpretinnen kaum vergönnt sein dürfte. Nichts ist dieser vitalen Musik ferner als musikalischer Dilettantismus. Das hat wohl auch für ihre Interpretinnen zu gelten. Bei Jóriki und Makyó sind diese lebens- und klangweltlichen Gegensätze gleichsam kultiviert. So scheint es zumindest. Was für ein Fehlschluss. Aufgeteilt in zwei Sätze für Violoncello solo liegen Vergleiche mit den fast Kultstatus genießenden Bach-Partiten nahe. Derartige Festgelegtheiten aber verbieten sich. Wieder ist Viera Janárčeková in ihrem Element. Das Aufbäumen des Instrumentes unter der Last des zugemuteten Ausdrucks vollzieht sich nicht immer energisch, es kommt oft leise daher, in zart sich ausschwingenden Linien, deren Klarheit noch unter dem musikalischen Elektromikroskop Bestand haben dürfte.

Für ihr 5. Streichquartett erhielt die Komponistin 1996 beim Kammermusikwettbewerb in Bratislava den ersten Preis. Eine knappe halbe Stunde reinster Zumutung an die Konzentration. Aber auch ein Werk, das hypnotische Wirkung entfaltet. Hier wird ein feines Netz des Sounds gewebt, mit unüberhörbaren Untertönen (und musikalischen Obertönen) der Störung. Gegenläufige Bewegung zerstört sphärische Harmonie. Die Idee der Verunsicherung ist wunderbar umgesetzt, doch entzieht sie sich der Festlegung – mit Einbrüchen in die vorherrschend dunkle, mitunter massiv aufgeraute Textur – so wie strahlendes, stellenweise gleißendes Licht durch eine Nebelbank dringt. Die Interpretation ist sicher, geschickt und in gutem Tempo. Möglicherweise kann ein Quartett diese Musik gut spielen – oder es kann sie überhaupt nicht darstellen. Haydn, Mozart, Beethoven – heißen kaum bestritten die ersten „wahren“ Meister  des Streichquartetts. Die meisten haben es versucht, wenige konnten ihnen wirklich folgen. Um Janárčeková hinzuzählen, muß man keine Prophetin sein. Oder ist ihre Musik einfach eine extreme  Reaktion auf die Tradition – ein Triumph einer wirklich authentischen Moderne? Sie bewegt sich außerhalb der üblichen Pfade, doch die so kompromissbereit erscheinende, überaus freundliche Frau zeigt sich in ihrer Kunst einem äußersten Individualismus verpflichtet. Dass dieser von anderen musikalisch aufgenommen, ja in gewissem Sinne verstanden werden kann, macht sie zu einer außergewöhnlichen Erscheinung.

Wem es schwerfällt, sich dieser Musik unmittelbar anzunähern, der sei auf das Booklet verwiesen. Ulrich Holbeins Sprachwerke stehen der Musik an Intensität kaum nach. So erklären sie weniger als sie assoziieren. Ein legitimer und auch produktiver Zugriff auf die Werke. Diese CD sollten aufgeschlossenen musikalische Menschen wirklich kaufen.“

Riccarda Dietz

Kammermusik für Streichinstrumente – Duo extatico, Jóriki und Makyó, Das fünfte Streichquartett  

Freya Ritts-Kirby (Violine), Hellmuth Vivell (Klavier), Martin Weiffenbach (Violoncello), Kairos-Quartett, Pro-Viva 2000  

„Ein Blick in den Werkkatalog von Viera Janárčeková offenbart eine beachtliche Vielfalt an Gattungen und Besetzungsformen. Von groß dimensionierten Orchesterstücken über unterschiedlich instrumentierte Vokalmusik und Volksliedbearbeitungen bis hin zu Hörspielen reicht das vielfach ausgezeichnete Repertoire der geborenen Slowakin. Bei aller klanglichen und strukturellen Offenheit beansprucht jedoch Kammermusik für traditionelles Instrumentarium (sieben Streichquartette) den größten Raum im Oeuvre aus der vorliegenden Produktion einen bemerkenswerten Ausschnitt präsentiert, mit drei aktuellen Kompositionen für Streichinstrumente aus den 90er Jahren. Wer hier jedoch Konventionelles in puncto Materialbehandlung und Klanggestalt erhofft oder gar gefällige Romantizismen erwartet, der irrt gewaltig.

Schon das Duo extatico für Violine und Klavier (1999) gibt namentlich die Richtung vor: kompromisslose Expressivität, die sich, unter Ausnutzung differenzierter Geräuschpotenziale, vor allem durch die Klanggestalt selbst vermittelt. Schneidende Violinschraffuren und ein zumeist perkussiv behandeltes, direkt auf den Saiten gespieltes Klavier fügen sich zu seismographischen Klangverläufen, die zwischen bohrender Stille und harmonischen Ausbrüchen zum Zerreißen gespannt sind.

Dabei läuft Janárčekovás intellektuell unverstellte Ausdrucksmusik niemals Gefahr, an expressiven Klischees zu kranken, zu sehr sind Ausdruckswille und das Bewusstsein des Fragmentarischen in einen subtilen Klangsensualismus eingebunden – in jedem Moment scheint die Musik zu „stimmen“, fern von Geschwätzigkeit, aber auch jenseits modischer Besinnlichkeits-Plattitüden. In diesem Sinne arbeitet auch Jóriki und Makyó für Violoncello (1997) mit subtilen Farb- und  Ausdrucknuancen, das auf einen pointierten Lyrismus im Anfangssatz aggressivem mir extremem Bogendruck vorwärts getriebene Schübe folgen lässt. Quasi als komplette Geräuschstudie im Pianissimo entpuppt sich das 5. Streichquartett (1992), wo Mikrointervall- und brüchiges Flageolett-Spiel zerfaserte Texturen bilden und das zum Zerreißen gespannte (Klang-) Material (beinahe wörtlich) an den Rand des Berstens bringen.

Klar, dass eine Musik, die ganz auf die unmittelbare Präsenz ihres bearbeiteten Materials setzt, nur in einer Interpretation Gestalt annehmen kann, die höchsten Ansprüchen genügt. Alle Einspielungen lassen da keine Wünsche offen. Differenzierungskunst und hörbares Engagement in einem Klangbild, wo nicht das kleinste Detail verloren geht.

Leider passt der reichlich überspannte Booklet-Text von Schriftsteller Ulrich Holbein überhaupt nicht ins —bild, der versucht Janárčekovás subtiler Klang-Bildhauerei in hitziger Sprach-Wucherung näher zu rücken und dabei an seiner vordergründigen Wortgewalt erstickt.“

Dirk Wieschollek

„Fernab üblicher Mainstream-dejä vues, gleich weit entfernt von repetitiver und meditativer Dauerton-Ideologie und unbesehener Pausenhörigkeit entwickelt Viera Janárčekovä relativ niegehörte Instrumentaltechniken, lauscht hinein und zwingt zum Hineinlauschen in teils hochkomplexe, teils trotzdem nachvollziehbare Klangfelder rhythmischer Überlagerungen, Potenzierungcn. Spannungsbalancen, mikroprozessualer Klangführung, Durchstrukturierung ausgehörter Übergänge zwischen Klang und Geräusch, Formexperimente. Strukturreichtum bis zu scheinbarem Wildwuchs.“
Ulrich Holbein

CD Kammermusik für Streichinstrumente

„…Es ist erstaunlich: es gelingt Ihnen, Klänge und Geräusche, die im Bezugsfeld des „Kritischen“, des „Verweigernden“ etc. verbraucht worden sind in die Sphäre des Vitalen, im besten Sinne: Musikantischen zurückzuholen. Dabei sind natürlich Spuren Ihrer Verliebtheit in diese Klänge nicht zu überhören – und das ist gut so, bis dahin: wo mit den Klängen zu wenig geschieht. Mut! Mut haben Sie ja sonst auch genug. Sehr gelungen wird das Hörbare dann, wenn Sie Lange eine Klangsphäre zurückgehalten haben (z.B. im Duo, wo das erste Flageolett nach über 11 Minuten einsetzt  – es wird zu einem Ereignis! – )“ 

(Wolfgang Rihm in einem Brief an die Komponistin)

5. Streichquartett

„V.J. versucht in ihrem 5. Streichquartett „hinter den Klängen“ deren geheimnisvolles Wesen zu suchen, das „schwer greifbare im Unhörbaren zu hören“: Knacken, Knurren, durch Druck auf den Bogen erzeugt, zu Pianissimo-Liegetönen, verzerrt, verhaucht, obertönig verfremdet.

Klopfgeräusche tröpfeln ins Ohr. Töne mit Vibrato- , mit schattenlosem Flageolett-Leib bewegen sich in einer weiten Landschaft mit einer intensiven Sogwirkung. Die Komponistin, wann immer man ihr begegnet, zeigt ein faszinierendes Ergebnis ihrer „Forschungsarbeit“ in dieser Landschaft „hinter den Tönen“, Außerordentlich kompetent das Kairos- Quartett in Sachen Neue Musik. Seine Spieler verfügen über einen hohen Grad an Sensibilität und phantasiebegabten Gestaltungswillen.“

Gerlinde Hoffmann

6. Streichquartett

„Hochgradig sensibel geht V. J: „in die feinsten Regionen der Töne“. Die Komponistin konzentriert sich im 6. Streichquartett ganz auf den gestrichenen Ton. Antihierarchisch baut sie ihr Unisono, die Sekund- und Quartmotivik vom Cello zur 2. Violine, zur Viola und dann erst zur Primgeige auf – Spiralen, wie sie die Figuren nennt.

Natürlich gibt es auf diesem Weg ständig imitatorische und kanonische Abläufe, die aber frei von harminisch funktionalen Elementen bleiben. Der reiche Flageolett-Einsatz, das Auskosten von Obertönen (eine außerordentliche Herausforderung an die Konzentration der Interpreten) schafft eine flirrende, aber nie unruhige Klangwelt. Selbst frei stehende Soloeinwürfe brechen die in sich ruhende Gesamtklanglichkeit in keinem Moment.“

Adolf Lang

Portät-Konzert in Kassel

 „…die Komponistin ist in der Lage, auf allen Instrumenten, für die sie komponiert,

Griffe, Techniken, Klänge selbst zu spielen, zu erfinden. Jeden Ton, den sie aufschreibt, hat sie vorher ausgehört. Eine mühsame, aber in neue Klangräume vorstoßende Vorgehensweise. Geräusche und Klänge werden nicht mehr als Gegensatz wahrgenommen, sondern verschmelzen „alchimistisch“ zu einer Einheit. Am deutlichsten demonstriert Viera Janárčeková das in „Solipsismus zu zweit“. Klavier, im Innenraum gespielt von der Komponistin selbst, und Violoncello, elektronisch verstärkt, weil an der Hörgrenze, traktiert von dem fabelhaften Martin Weiffenbach, verlieren ihr jeweils Typisches. Faszinierend die minuziösen rhythmischen Ereignisse in dem sphärischen Klanggeschehen.

In der Uraufführung „Am Rand der Düsternis“ für Stimme solo „erzählt“ Christel Nies sozusagen mit Funktionen ihrer Stimmbänder pur eine japanische Geistergeschichte um die Qual eines unvollendetes Gedichts – Ausdruck von Schmerz, tonlos, körpernah.“

Gerlinde Hoffmann

Porträtkonzert im Anthroposophischem Zentrum

„Man spitzt die Ohren, und die Wahrnehmung wird immer feiner.“ Ein schönes und zutreffendes Kompliment, das ein Zuhörer der Komponistin Viera Janárčeková am Ende ihres Portrait-Konzertes im Anthroposophischen Zentrum machte. Das Publikum war ganz fasziniert von den neuen ästhetischen Erfahrungen. Zudem war es davon angetan, wie bescheiden Janárčeková ihre Musik vorstellte. Und davon, dass sie keine Scheuklappen kennt. Welcher ausgewiesene Avantgardist würde sich trauen, Volksliedbearbeitungen von Janáček und sich selbst um Besten zu geben – noch dazu gleichzeitig singend und Klavier spielend?

Entdeckerin des Klanges  -Viera Janárčeková ist eine Entdeckerin auf dem Gebiet des Klanges. Eine sanfte Abenteuerin, die zuvor nie gehörte Farben erfindet. Bei „Quadratura“ für Violoncello solo etwa verwendet sie die gleiche Scordatura wie Bach in der fünften Cellosuite – doch mit welch verblüffendem Ergebnis! Ein Fest für den Ton G in vier Oktaven steht am Beginn, eine Mikro-Polyphonie mit fahlen und schrillen Schattierungen. Am Ende ein berührender Gestus der Stille und Verinnerlichung.

Bei dem „Pulsator-Trio“ für Flöte, Cello und Klavier tickt, pocht und zirpt es, dass es eine Freude ist. Und die Flöte kann dabei ihre ganze Ausdrucksgewalt entfalten: gehauchte Gesten, klagendes Melos. Ebenso bei dem Solostück „Durchströmt“ mit seinen fraktalen Strukturen und schwebenden Linien – eine anregende Uraufführung.“

Georg Pepel

Heftige Landschaft mit dreizehn Bäumen

„Das Werk entwickelt sich aus einem langgedehnten, zitternden Akkord, dem sich in vielen winzigen Episoden immer wieder neue klangliche und rhythmische Effekte zuordnen, die zusammen eine große Klangfläche ergeben. Fast hat man das Gefühl, als würde die Intimsphäre des Streichinstruments freigelegt: mit kleinen Schlägen, vielerlei Pizzicato-Formen, häufigen Flageoletts. Hauchzarte Spinnengewebe aus schwebenden Tremoli vermittelten ein faszinierendes Klangkolorit. Bisweilen tauchten geheimnisvolle Melodienbruchstücke auf und verschwinden. Ruhe und Unruhe wechseln sich ab oder fließen ineinander. Einmal – vielleicht der am meisten bewegende Moment des Werkes- erhebt das Cello mit sonorem Ausdruck seine Stimme: das hatte etwas choralhaftes an sich. Jedenfalls eine eindringliche Musik fast magischen Charakters, sehr ausbalanciert in ihren Mitteln, sehr differenziert in ihrer Stille. Ob sie noch hätte tiefer, fiebriger gestaltet werden können, bleibe offen. Da die Interpretationsvergleiche fehlen, muß man sich auf die Substanz der Musik verlassen. Und die beeindruckte.“  

Susanne Rudolph

Verkalkung und Jungbrunnen

Das Böhmisch-mährische Temperament ist der Künstlerin bis heute nicht abhandengekommen. Ebenso farben- wie pointenreich kam ihr Oktett daher, mit hintergründigem, nachgerade perfidem Humor in der Verschränkung heterogener Rhythmen und Instrumentengruppen. Besonders launig sind der Komponistin die Momente der Aushöhlung (von Bedeutung) und (des Ignorierens) der Vergeblichkeit gelungen. Das befand sich in bester geistiger Nachkommenschaft zur grellen Weltenparodie eines Gustav Mahler.“

Die Rheinpfalz

 

54 slowakische Volkslieder

„In diesen Stücken für Klavier und Gesang, die ihren Ursprung in der slowakischen Volksmusik haben, die wiederum russischen, rumänischen und ungarischen Einflüssen unterliegt, erzählt Viera Janárčeková vom Mond, vom Wasser, von Sehnsucht, von Abschied und Zigeunertemperament, dabei gelingt es der Komponistin traditionelle und konventionelle Klänge mit eigenen stilistischen Mitteln gekonnt zu vermischen; aber nur soweit, daß der volksliedhafte Charakter gut erhalten bleibt und dennoch durch die leichte Verfremdung ein positiver Effekt entsteht: Der Zuhörer wird neugieriger und aufmerksamer. Eines war allerding beinahe allen vorgestellten Liedern gemeinsam: Melodie und Gesang waren geprägt von zarter Melancholie und erinnerte an musikgewordenes Seufzen.“ 

Eckard Britsch, TeleRadio

Lieder auf der Flucht

   Ungewöhnlich ist die Fülle der unterschiedlichen Kraftströmungen, die Viera Janárčeková vereinigt, ungewöhnlich auch die Ausnutzung der Instrumente. (..) Heraus kommt dabei ein groß angelegter Bogen von der ersten Note bis zum Schlußakzent, der der Dramatik des Bachmann-Textes gerecht wird.“

   „Ein künstlerisch anspruchsvoller Leckerbissen für Freunde klassischer Musik: (..) eine außergewöhnliche Aufführung….die mit kühn-virtuosen Stilelementen der Zwölfton-Musik Gedichte von Ingeborg Bachmann vertonte. Die ‚Lieder auf der Flucht‘ präsentierten sich (..) als unterschiedlich durchstrukturiertes, ausdruckstarkes Werk, das den düster-drohenden Wortlaut des Textes in teils spartanisch karge Orchestrierung bettet, teils mit dem Einsatz aller Instrumente die melancholisch-aggressive Stimmung unter Verwendung von atonalen Konstruktionstechniken untermauert.“

      „Die Preisträgerin bedient sich modernster Kompositionstechniken und Ausdrucksformen, so daß Überraschung und heilsame Verunsicherung des Publikums vorprogrammiert waren. Unter Aussparung des großen sinfonischen Apparates, lediglich auf ein kleines aber farbiges Ensemble von Pikkolo-, Quer- und Baßflöten sowie Trompeten, Posaune und Horn, Harfe diverses Schlagwerk und dramatischen Mezzosopran gestellt, entwirft Viera Janárceková subtile Vokalskizzen (..)

Dabei spürt sie mehr dem Atmosphärischen, den von den Wortbedeutungen gelassenen Zwischenräumen nach, als daß sie an vordergründiger Sinnhaftigkeit kleben bleibt. Ihre Musik lebt zwischen den Zeilen und ist doch – bei aller Freiheit der Assoziation- eindeutig im Grundgefühl der Angst.“

 Donna Laura

„…ein Werk, das das Ohr für die herben Schönheiten heutiger Musikschöpfungen öffnet, 50 Minuten Spannung vermittelt in engagiert intensiver Darstellung seelischer Höhen und Tiefen, von Resignation und aufbegehrendem Zorn, von Leid und Glück.

Die Partitur enthüllt die minuziöse Arbeitsweise der Komponistin, ihre Vertrautheit mit experimentellen Spieltechniken des konventionellen Instrumentariums, mit Klangverfremdungen, der Verwendung von Vierteltönen, der freien Spielentscheidung innerhalb vorgeschriebener Tonräume, der (auffälligen) Manipulation der Klaviersaiten.

 

Irre Parabel

„Die Komponistin (..) gruppiert in ihrem Stück um eine große Generalpause, die wie ein schwarzes Loch im Zentrum steht, zahlreiche, sehr ausgewogen proportioniert und instrumental außerodentlich farbig gestaltete Klangepisoden. Dabei bedient sich Janárčekovà vorwiegend der Avantgarde-Instrumentationstechniken und -Verfremdungen der 60er und 70er Jahre, setzt sie allerdings in einen formalen Zusammenhang, der von surrealistischen Bildern etwa eines M.C. Eschers inspiriert scheint und neben akustischen auch optisch-visuellen Gesetzen gehorcht. ….Dieser Weite des Assoziationsfeldes entspricht die Ausgefallenheit, Komplexität und Vielschichtigkeit der musikalischen Ereignisse…..

Walter Gillessen, (..) leistete gemeinsam mit den Musikern Beachtliches, um der rhythmisch und intonationsreich ungemein kompliziert klingenden Partitur so überzeugend Gestalt zu verleihen.“

Stefan Heucke  

Vier Minutenschnulzen

„‚Vier Minutenschnulzen‘ nennt Viera Janárčeková ihre vier -jeweils um die vier Minuten dauernden- Miniaturen voll sprühender Einfallsfreude und Respektlosigkeit vor der musikalischen Tradition: Unterhaltung auf hohem Niveau zwischen Avantgarde und Bigband, zwischen Volkslied und klassischem Kunstanspruch.“

Eckard Britsch TeleRadio

 

Yan

„uses the complete spectrum of horn tones from clear and soft to thready, mixes consonants and vowels with the tones, plays with overtone-coloring and weaves all this into a fine quarter-tone net“. This piece makes me smile and huh! as I listen to it’s jolly playing with sound. I found myself laughing out loud at points! Hahahahahahaha now THIS is fun! A great finale to a very interesting album of solo horn music. Definitly a must for those interested in the contemporary classical music sound.

Canary Burton, Alternate Music Press

 

Samorast

…Doch die kraftvollste Auftragskomposition hat  Viera Janárčeková geschrieben. Ihr Trio „Samorast“ – das slowakische Wort für „Urwuchs,“ – besticht durch große Imagination. Aus einem Tonmaterial, das von Obertönen des Schlaginstrumentes Tamtam abgeleitet ist, entwickelt sich zwanglos eine Fülle musikalischer Gestalten. Das Stück weckt genau die Assoziationen, die Janárčeková im Programmhefttext selbst angesprochen hat: Aus rätselhaften Gründen nimmt die Musik ihren Anfang und wächst auf eigene Weise weiter. Musik, die an organische Natur erinnert.“

G. Pepl

 Quadratura und Dreifenster-Duo

Der Entdecker­geist, mit dem die slowakische Komponistin Viera Janárčeková das Klangspektrum klassischer Instrumente erforscht und es mit immer neuen Spieltechniken er­weitert, gilt als Markenzeichen ih­rer Musik. Mit unerschöpflicher Neugier lotet sie die klanglichen Möglichkeiten des ihr zur Verfü­gung stehenden Instrumentari­ums bis an die Grenzen der Spielbarkeit aus.

Auch ihre im Jahr 2000 ent­standene „Quadratura“ für Vio­loncello, von Bianca Breitfeld aufgeführt, verlangte von der Cellistin ein hohes Maß an Experimentierfreu­digkeit. Während der orchestrale erste Satz des an Bachs 5. Solosui­te orientierten Stücks Grund- und Obertöne in komplexen Klang­schichten miteinander changieren ließ, beleuchteten die beiden fol­genden Sätze den Kontrast von launigen Pizzicato-Zupftechniken und wuchtigem Bogenstrich. Ent­rückt erlosch der Schluss-Satz in zartem, kaum noch wahrnehmbaren Pianissimo wie ein durchsich­tiges Flimmern.

Am äußersten Rand ihrer Farbskala bewegten sich die In­strumente auch in Janárčekovás 2003/2007 entstandenem „Drei­fenster-Duo“ für Violoncello und Akkordeon (Christiane Lüder). In den drei Bildern „Himmelsstreif“, „Straßenszene“ und „Spurentan­go“ ließ die Kom­ponistin die Sphären des Meta­physischen, Irdischen und Künst­lerischen in expressiven Farben Gestalt annehmen und spiegelte so die Spannweite der menschli­chen Natur.“

Silvia Adler