Annäherung IV - an sieben Komponistinnen:
Barbara Strozzi, Marianna Martines, Fanny Hensel-
Mendelssohn, Elisabeth Lutyens, Sofia Gubaidulina,
Barbara Kolb, Viera Janárceková

Brunhilde Sonntag | Renate Matthei (Hg.)
Editionsnr.: fue 8270
ISBN: 978-3-9801326-6-4
Buchreihe: Annäherung an sieben Komponistinnen
Umfang: 72 Seiten
Verlag: Furore
Erscheinungsjahr: 1988
Preis: 9,90 EUR

Riccarda Dietz
Dies ist Musik, die elektrisiert. Eine Musik auf der Suche nach der eigenen Quelle. Sphärisch, aber keineswegs außerirdisch, sondern immer nah am real existierenden Instrument… Viera Janárčeková öffnet eine Tür zu wirklich Neuer Musik – auf konventionellen Instrumenten mit unkonventionellen Methoden. Auf modisches Verstärken und bloß „Geräuschemachen“ verzichtet sie dabei. Janárčekovás Musik ist kraftvoll, ohne je ins Plumpe abzugleiten, sie ist hoch originell, ohne vordergründig verrückt zu sein. Technisch avanciert, ist die Komponistin in die Anwendung neu entwickelter Techniiken doch nicht so verliebt., dass ihre Formkraft darunter leidet.
    …es besteht keinerlei Zweifel daran: Diese Komponistin ist eine vollkommen unabhängige Gestalt. Sie steht der unnachgiebigen „Szene-Orthodoxie“ der zeitgenössischer Musik ebenso fern wie überhaupt irgendeiner parteilich verortbaren Position.  

Dirk Wieschollek
…Ein Blick in den Werkkatalog von Viera Janárčeková offenbart eine beachtliche Vielfalt an Gattungen und Besetzungsformen. Von groß dimensionierten Orchesterstücken über unterschiedlichst instrumentierte Vokalmusik und Volksliedbearbeitungen bis hin zu Hörspielen reicht das vielfach ausgezeichnete Repertoire der 1951 geborenen Slowakin. Bei aller klanglichen und strukturellen Offenheit beansprucht jedoch Kammermusik für traditionelles Instrumentarium (sieben Streichquartette) den größten Raum im Oeuvre aus der vorliegenden Produktion einen bemerkensweren Auschnitt präsentiert, mit drei aktuellen Kompositionen für Streichinstrumente aus den 90er Jahren. Wer hier jedoch Konventionelles in puncto Materialbehandlung und Klanggestalt erhofft oder gar gefällige Romantizismen erwartet, der irrt gewaltig…
    …Dabei läuft Janárčekovás intellektuell unverstellte Ausdrucksmusik niemals Gefahr, an expressiven Klischees zu kranken, zu sehr sind Ausdruckswille und das Bewusstsein des Fragmentarischen in einen subtilen Klangsensualismus eingebunden – in jedem Moment scheint die Musik zu „stimmen“, fern von Geschwätzigkeit, aber auch jenseits modischer Besinnlichkeits-Platitüden.

Ulrich Holbein
Fernab üblicher Mainstream-dejä vues, gleich weit entfernt von repetitiver und meditativer Dauerton-Ideologie und unbesehener Pausenhörigkeit entwickelt Viera Janárčekovä relativ niegehörte Instrumentaltechniken, lauscht hinein und zwingt zum Hineinlauschen in teils hochkomplexe, teils trotzdem nachvollziehbare Klangfelder rhythmischer Überlagerungen, Potenzierungcn. Spannungsbalancen, mikroprozessualer Klangführung, Durchstrukturierung ausgehörter Übergänge zwischen Klang und Geräusch, Formexperimente. Strukturreichtum bis zu scheinbarem Wildwuchs.

Wolfgang Rihm in einem Brief an die Komponistin
…Es ist erstaunlich: es gelingt Ihnen, Klänge und Geräusche, die im Bezugsfeld des „Kritischen“, des „Verweigennden“ etz. verbraucht worden sind in die Sphäre des Vitalen, im besten Sinne: Musikantischen zurückzuholen. Dabei sind natürlich Spuren Ihrer Verliebtheit in diese Klänge nicht zu überhören – und das ist gut so, bis dahin: wo mit den Klängen zuwenig geschieht. Mut! Mut haben Sie ja sonst auch genug. Sehr gelungen wird das Hörbare dann, wenn Sie Lange eine Klangsphäre zurückgehalten haben (z.B. im Duo, wo das erste Flageolett nach über 11 Minuten einsetzt  - es wird zu einem Ereignis! - )   

Gerlinde Hoffmann
…die Komponistin ist in der Lage, auf allen Instrumenten, für die sie komponiert,
Griffe, Techniken, Klänge selbst zu spielen, zu erfinden. Jeden Ton, den sie aufschreibt, hat sie vorher ausgehört. Eine mühsame,.aber in neue Klangräume vorstoßende Vorgehensweise. Geräuschhaftes und Klänge werden nicht mehr als Gegensatz wahrgenommen, sondern verschmelzen „alchimistisch“ zu einer Einheit.  

Susanne Rudolph
... eine eindringliche Musik fast magischen Charakters, sehr ausbalanciert in ihren Mitteln, sehr differenziert in ihrer Stille.

Noten
Noten von einigen Kompositionen kann man im Furore Verlag / Kassel, weiter beim Tonger Verlag / Köln oder beim Sonoton Verlag / München erwerben. Die meisten Partituren jedoch sind im Selbstverlag der Komponistin zu finden und zu erhalten.

Informationen
Weitere Informationen über V. Janárčeková in Kultur- oder Musikzeitschriften und Festival-Katalogen. Reichhaltiges Informatiosmaterial sowie zahlreiche Partituren finden Sie im Archiv Frau und Musik, Frankfurt direkt, oder im Internet unter www.archiv-frau-musik.de